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Losung

Losung für Mittwoch, 19. Dezember 2018
Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise.
Psalm 19,8

Wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.
1.Johannes 3,24

© Evangelische Brüder-Unität

"Zukunft mit KonzepT" heißt ein Projekt, mit dem die Landeskirche ihre 429 Gemeinden in der Pfalz und Saarpfalz angesichts der knapper werdenden Finanzmittel und der durch den demografischen Wandel zu erwartenden Strukturveränderungen zukunftsfähig machen will. Die Fäden für das Projekt laufen unter anderem bei Ulrich Müller-Weißner, Verwaltungsdirektor im Landeskirchenrat, zusammen.  

In einem Dreivierteljahr will er als Organisationsentwickler zusammen mit Oberrechtsrätin Jill Rohde sowie Oberamtsrat Walter Hellmann ein Zukunftsprogramm für die Gemeinden vorlegen. Denn, so der 54-jährige Theologe und Sozialwissenschaftler, Kirchengemeinden, die nicht auf die anstehenden Veränderungen reagierten, drohe eine finanzielle Schieflage.  

Pilotgemeinden für das Projekt "Zukunft mit KonzepT" sind in Iggelheim, Hassloch, Kaiserslautern-Bännjerrück, Ludwigshafen-Mundenheim sowie in Hüffler im Kirchenbezirk Kusel. Mit Fortbildungen und Fachberatungen vor Ort soll den Presbyterien, die in der Evangelischen Kirche der Pfalz am 30. November 2008 neu gewählt werden, geholfen werden, auf die künftigen Herausforderungen zu reagieren, so Müller-Weißner. Das Projektteam bildet zurzeit neun Frauen und Männer in Organisationsentwicklung aus, die schon im Rahmen ihrer Ausbildung  in den Kirchengemeinden als Prozessberater arbeiten werden.  

Frage: Herr Müller-Weißner, wie genau soll die flächendeckende Neuorganisation der Kirchengemeinden aussehen?  

Antwort: Es geht nicht um eine Neuorganisation von Kirchengemeinden, die ja alle eigene Körperschaften bilden und nicht so einfach "mit einem Federstrich" oder einem Masterplan  neu organisiert werden können und schon gar nicht sollen. Durch das Programm "Zukunft mit KonzepT" – übrigens mit einem großen "T" am Ende, weil die Theologie darin eine nicht zu kleine Rolle spielen wird. Wir wollen keine Ekklesiologie aus dem Geldbeutel machen! – sollen die Presbyterien der Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche der Pfalz in den kommenden Jahren unterstützt werden. Vor dem Hintergrund einerseits der knapper werdenden Mittel, andererseits wachsender finanzieller Belastungen durch die Bewirtschaftung ihres Gebäudebestandes, sollen sie weiterhin kreativ und zielgerichtet arbeiten. Wir streben also eine Aufrechterhaltung oder, im besten Fall, vielleicht sogar Optimierung der kirchlichen Arbeit in bestehenden Strukturen an. 

Frage: Sie waren 25 Jahre in verschiedenen Funktionen des Gemeindepfarrdienstes, haben sich in der sozialwissenschaftlichen Fortbildung von Pfarrern engagiert und waren in Ludwigshafen in der stadtteilorientierten Sozialarbeit tätig. Wie können Sie diese Erfahrungen als landeskirchlicher Organisationsentwickler einbringen? 

Antwort: Hier fließen verschiedene Erfahrungswelten zusammen, die im Rahmen der Organisationsentwicklung ihren wichtigen Stellenwert haben. Aus dem Gemeindedienst nehme ich meine Nähe zu den Menschen mit, auch die genaue Kenntnis der Besonderheiten dieses Arbeitsfeldes. Die Sozialwissenschaften ermöglichen den reflektierten Umgang mit diesen Besonderheiten, fordern zu differenzierter Planung auf und wissenschaftlicher Durchdringung. In der Sozialarbeit oder Gemeinwesenarbeit, wie es früher hieß, galt das "Grundgesetz" der Beteiligung möglichst vieler Menschen an Entwicklungsprozessen. Außerdem habe ich damals die Scheu vor Experimenten verloren, den Mut zu Risiko gewonnen und die tief sitzende Überzeugung, dass wir in der Kirche und den Gemeinden sehr sorgsam mit den uns anvertrauten Mitteln umgehen müssen, wenn wir unserem Auftrag gerecht werden wollen.  

Frage: Welche sind die zu erwartenden Strukturveränderungen, auf die sich die Kirchengemeinden in den kommenden Jahren einstellen müssen? 

Antwort: Da ist jede Prognose unsicher. Als wahrscheinlichste Entwicklung sehe ich hier die Entwicklung oder Vertiefung von Zusammenarbeits- oder Kooperationsstrukturen auf der Gemeindeebene - wesentlich über das hinaus, was zum Teil schon praktiziert wird. Dies auch aufgrund der zurück gehenden Zahl der aktiven Pfarrerinnen und Pfarrer. Es wird aber meines Erachtens kurz- und mittelfristig wohl weniger um gravierende oder großflächige Strukturveränderungen gehen, als um eine Entwicklung der inneren Einstellung derjenigen, die in den Kirchengemeinden, den Bezirken oder kirchlichen Einrichtungen arbeiten und Verantwortung tragen. Die Zeit, in der wir aus dem Vollen schöpfen konnten, ist zumindest auf absehbare Zeiten vorbei. Wir werden nicht arm sein, aber weniger komfortabel ausgestattet. Es wird weniger zu verteilen sein und damit gleichzeitig die Verantwortung vor Ort in den Gemeinden wachsen. Verantwortung dafür, handlungsfähig zu bleiben, einen funktionalen Gebäudebestand für die kommenden Generationen zu pflegen; Verantwortung, mit den eingesetzten Mitteln möglichst viel zu erreichen. Wo es früher Aufgabe war, umsichtig zu verwalten, wird es künftig darum gehen, klug zu gestalten.   

Frage: …und welche die Schwerpunkte des Projektes "Zukunft mit KonzepT"? 

Antwort: Wir begreifen das Programm "Zukunft mit KonzepT" vor allem als Hilfestellung und Unterstützungsmaßnahme für Gemeinden hin zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung. In mehreren aufeinander folgenden Schritten werden die Verantwortlichen einer Kirchengemeinde dazu angeleitet, sich auf den Weg zu einer detaillierten Zukunftsplanung der Gemeinde zu machen. Mit einbezogen werden dabei, wie schon gesagt, die aktuelle und mittelfristige finanzielle Situation der Kirchengemeinde genauso wie der gemeindliche Gebäudebestand und dessen kurz-, mittel- und langfristiger Instandhaltungsbedarf. Die weiteren wichtigen Bezugspunkte werden die notwendigen, wünschenswerten und geplanten Angebote der Gemeinde für die Menschen des Gemeinwesens sein und die dafür benötigten Mittel. Dies alles wird theologisch reflektiert, aufeinanderbezogen und in Leitlinien für die gemeindliche Arbeit festgehalten. 

Frage: Werden Sie noch 2008 mit den neuen Presbyterien über das Projekt sprechen? 

Antwort: Die Information ist hier ganz wichtig und wird mit eingeplant. Ob die wenigen Wochen vor dem Jahresende 2008 noch ausreichen werden, bezweifele ich. Im Frühjahr 2009 werden von der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft in vier Regionen der Landeskirche Angebote für die neu gewählten Presbyterien gemacht werden. Ein Bestandteil wird sicher eine Information zu dem Programm "Zukunft mit KonzepT" und seinen Möglichkeiten für die Gemeinden sein. Im Fortgang plant die Arbeitsstelle in Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen Diensten Veranstaltungen, die einen weiter führenden Fortbildungscharakter für die Mitglieder von Presbyterien haben werden. Diese Veranstaltungen werden in enger Abstimmung mit "Zukunft mit KonzepT" entwickelt werden. Auch die Fortbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer ist hier eingebunden. 

Frage: Bis wann soll das Konzept umgesetzt worden sein? 

Alleine aufgrund der Zahl der Gemeinden, gehen wir von einer mehrjährigen Laufzeit aus. Zusätzlich wird die Interessenslage ganz unterschiedlich sein. Es wird Gemeinden geben, die eine solche Hilfestellung gar nicht benötigen. Entweder, weil sie finanziell gut da stehen oder weil sie in der Vergangenheit sowieso schon Entwicklungsschritte in die richtige Richtung unternommen haben. Andere Gemeinden werden sich mit eigenen Mitteln behelfen und wieder andere, Moderatoren anfordern, die sie durch die einzelnen Programmschritte begleiten. Dann wird es Gemeinden geben, die aktuell noch gut wirtschaften können, in wenigen Jahren jedoch schon Unterstützung notwendig haben. Ziel ist jedoch, möglichst allen Gemeinden der Landeskirche ausgeglichene Haushalte zu ermöglichen, mit denen sie nachhaltig und sinnvoll ihre Ziele umsetzen können.

Die Fragen stellte Christine Keßler-Papin

(Quelle: www.presbyteriumswahlen-pfalz.de)